Analogue Audio Association

Verein zur Erhaltung und Förderung der analogen Musikaufnahme und -wiedergabe e.V.

2004

High End 2004 - Vorbericht

Text und Fotos: Matthias Henseler


Impressionen M,O,C, - München - Pressekonferenz der High End Society


Auf Einladung der High End Society konnten wir uns bereits im Rahmen einer Pressekonferenz mit dem M,O,C, München vertraut machen. Unabhängig von den Besuchern der Musikfachpresse zeigte die Anwesenheit des Vorsitzenden der Messegeschäfts-führung München Manfred Wutzlhofer, dass die High End Society und die Messe München allen Besuchern und Ausstellern ein Top Event anbieten wollen.


Die Wahl des M,O,C, kann als gelungen bezeichnet werden. Die reinen Gebäudedaten und Features -Klimaanlage und großzügig dimensionierte Parkgarage direkt unter dem Gebäude - lassen aufhorchen. Gleiches gilt für die "Versorgungssituation" mit mehreren Snackständen und Restaurants. Ausgehend vom Caterer ist mit zivilen Messepreisen für ein faires Speiseangebot incl. a la Carte zu rechnen.


Nun ein paar Worte zu den Räumlichkeiten: Auf drei Etagen wird von einfachen Messeständen - Erdgeschoss analog Ballsaal Kempinski - bis hin zu riesigen Vorführräumen - 2. Obergeschoss - alles vertreten sein. Die offene, gläserne M,O,C,-Architektur dürfte die doch zuletzt etwas gedämpfte, barocke Atmosphäre des Kempinski vergessen lassen. Das Atrium - 1. Obergeschoss - wird neben den Ausstellern auch spannende Einblicke in die umliegenden Hörräume bieten.


Und zum guten Schluss eine persönliche Empfehlung für alle München-Erstbesucher: Zeit einplanen, Innenstadt und Englischen Garten aufsuchen. Technikfreaks sollten das Deutsche Museum nicht vergessen! Für Genießer gilt folgende Faustregel: Ist es sonnig, die Maß im Englischen Garten genießen. Sonst bei Regen sich einen Platz im Weißen Brauhaus im Tal ergattern und schlemmen wie "Gott in Deutschland".

Weitere Infos:


www.HighEndSociety.de
www.moc-muenchen.de

... und natürlich in unserem Messebericht in der kommenden analog aktuell 2/2004.

High End 2004 - Messebericht

Nach nunmehr 22 Jahren Hotel Kempinski zu neuen Ufern an die Isar


Text: Andreas Rogocz
Fotos: Andreas Rogocz und Christoph Held


Rückblick


Ich selbst lies mich im Vorfeld auf Diskussionen um den neuen Messestandort München ein, die, ich gebe es zu, auf persönlichen Nachteilen wie z. B. der weiten Anreise verbunden mit höheren Kosten beruhten, ich versuchte dies hinter allerlei Argumenten zu verstecken.


Ein wenig verlogen aber legitim, hatte ich doch das Hotel Kempinski direkt vor der Haustür schon lieb gewonnen aber auch verteufelt, wenn es wie so oft mollig warm war und man sich im Class A Betrieb mit schwitzenden Mitstreitern den Weg durch die verschlungenen Gänge zu den Objekten der Begierde bahnte.
Glücklich den anvisierten Raum gefunden, schlich sich regelmäßig eine gewisse Enttäuschung nach den meist kurzen Hörproben ein. Die visuellen Eindrücke waren ebenfalls mehr als zwiespältig.
Erst einmal hinsetzen und blauen Rauch inhalieren, ach ja, eine Tasse Kaffe bitte - schwarz natürlich - danke.


Stellte man sich jedoch selbst die Frage, ob eine Messe jeden individuellen Anspruch, vom Hersteller über den Handel bis zum Endkunden gleichermaßen berücksichtigen kann, kommt man eventuell zu einer nüchternen Antwort: Nein, nicht wirklich.
Was aber könnte in München anders sein?

Auf nach München

500 km schwarzer Untergrund bis zum M,O,C, und zwei (Spur) Rillen auf der Autobahn, wenn das kein Vorzeichen war.
Hotelzimmer gab es in unmittelbarer Umgebung und in allen Preisklassen, Spätbucher erhielten zudem einen saftigen Bonus, wie mein Begleiter leidvoll aber gelassen feststellen konnte.

Das Messegelände im Stadtteil Freimann mit sehr guter Verkehrsanbindung zeigte sich modern, großzügig und gut strukturiert. Parkmöglichkeiten waren in ausreichender Anzahl vorhanden und mit 8 Euro Tagespauschale durchaus erschwinglich.

Auch wenn im Erdgeschoß durch freie Stände und aufgestellte Container der Eindruck einer Allerweltsmesse vermittelt wurde, wandelte sich das Bild im 1. Obergeschoß drastisch.


Eine weiträumige, lichtdurchflutete Fläche mit bequemen Sitzmöglichkeiten, gesäumt von Ausstellungsräumen mit breiten Glasfronten lud zum Verweilen und Flanieren ein. Ja, das hatte was. Man fühlte sich fortan in einer riesigen Einkaufspassage mit dem Wunsch, dass diese doch irgendwo in unserem Lande täglich zu besuchen wäre. Eine gewisse Zufriedenheit war erkennbar.


Ein Aussteller im Erdgeschoß sprach zwar von einer Zweiklassen-gesellschaft, ich mochte dass so nicht erkennen. Es war schließlich die erste Messe in München und wenn die Bedingungen im Vorfeld nicht so klar erschienen, im nächsten Jahr hat man die Möglichkeit im wahrsten Sinne des Wortes aufzusteigen. Und, auch in der kleinsten Hütte konnte man, entgegen allen Unkenrufen gut klingende Anlagen hören.


Die Hauptsache war offensichtlich dabei zu sein, allenthalben vernahm man Positives, man hatte das Gefühl, dass eine gewisse Stressfreiheit sich in sachlicher und kompetenter Beratung beim Besucher spiegelte.

Hörenswert


Neben vielen hörenswerten Anlagen, die zudem optisch gut präsentiert und fachlich sehr gut besprochen wurden, zählte ein Novum auf der Messe sicherlich zu den absoluten Highlights.


Bowers & Wilkins verwandelte den Raum D111 zeitweise zum Konzertsaal mit hervorragenden Musikern wie Allan Taylor, Abi Wallenstein und Christian Willisohn. Kaum ein Zuhörer konnte bei der gebotenen Live Performance ruhig sitzen und selbst dem kühlen Profi, Tonmeister Günter Pauler am Mischpult, trieb es ein Grinsen ins Gesicht.

Hilfe, ich bin Analogiker


Will uns die Werbung auch in den Glauben versetzen dass man als Analogiker eine Außenseiterrolle einnimmt, spiegelte die High End in München ein etwas anderes Bild wieder.

In vielen Hörräumen gehörte der Plattendreher zum guten Ton und erfreute nicht nur die Augen der Betrachter.

Eine große Anzahl Hersteller erweiterte zudem ihre Angebotspalette mit Plattendrehern, andere rundeten ihr Angebot mit preisgünstigen Einsteigergeräten nach unten ab. Diese Geräte dürften nicht nur als Appetizer für eigene Produktpaletten wertvoll sein, sondern auch für eine insgesamt größere Nachfrage nach analogem Stoff sorgen, den man ebenfalls in Hülle und Fülle vorfinden konnte. Von den aktuellsten Pressungen bis zu gesuchten Liebhaberschätzen konnte man alles finden, was das Herz begehrte.


Plattenwaschmaschinen gehören inzwischen zum unverzichtbaren Zubehör der Schwarzhörer. Ob nach dem Waschen auch gebügelt werden muss? Diese Frage wollten mir die Aussteller nicht ernst- haft beantworten.

Fazit


Die High End hat ihre Bewährungsprobe am neuen Messestandort München in hervorragender Art und Weise gemeistert. Aus der Sicht des Verbrauchers wurden viele Kritikpunkte der Vergangenheit aufgenommen und beseitigt. Zugegebenermaßen sind dies nur subjektive Empfindungen, im Geschäfts-Bereich wird es dagegen Messbares geben und an dem Erfolg sollten alle, in welcher Form auch immer teilhaben können, die sich dem Hobby Hifi hingeben.


Wer sich einen Überblick über die Angebotsvielfalt des Marktes verschaffen wollte war hier genau richtig. Wenn auch (noch) nicht alle Hersteller zum Auftakt vertreten waren, 2005 werden sie dabei sein, ich bin mir sicher.


Bleibt nur zu Hoffen, dass sich die kleinen High End Schmieden weiterhin auf dem Markt behaupten und mit ihren innovativen und kreativen Ideen die Szene bereichern.